„Unser Körper ist die Harfe unserer Seele“

Diese Erfahrung gemäß dem Zitat von Khalil Gibran machten die ca. 55 Sängerinnen und Sänger aus dem Bezirk Braunschweig und den Nachbarbezirken sowie aus Thüringen während der 5. Gifhorner Chortage vom 6. bis 9. Dezember 2012 in der Kirche Gifhorn - losgelöst vom Alltag, alles hinter sich lassend und sich ganz der Musik hingegeben.

Die Adventszeit ist mit vielen Gefühlen und Stimmungen verbunden: Vorfreude, Besinnlichkeit, Erwartung, Festlichkeit, Andacht, Fröhlichkeit. Diese Vielfalt spiegelte sich wider in dem anspruchsvollen Programm, das die Sängerinnen und Sänger in 2 ½ Tagen unter professioneller Anleitung des bekannten Kirchenmusikers aus dem Ruhrgebiet, Wolf Rüdiger Spieler, zielgerichtet nach einem exakten Probenplan erarbeiteten. Dabei stand der Spaß am gemeinsamen Singen im Fokus, denn es ging nicht darum, mit besonderem Können aufzufallen, sondern in erster Linie die Zuhörer zu erfreuen und viel Wärme und Licht in dieser dunklen Jahreszeit auszustrahlen. Und das ist ihnen wahrlich gelungen!

Am Sonntagnachmittag war es soweit: Der Werkstattchor präsentierte den Besuchern die erarbeiteten Werke und bereitete ihnen einen besonderen Hörgenuss und ein atemberaubendes Klangvergnügen, getragen von begeisternder Virtuosität und Freude an der Musik.

Dynamisch und kraftvoll ertönte zu Beginn das Werk „Machet die Tore weit“ von Andreas Hammerschmidt (1612-1675) als Einladung an die Zuhörer. Hohe Konzentration erforderte das singtechnisch schwierige Werk aus der Feder von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ aus dem Oratorium „Paulus“, op. 36, das mit einem Choralvorspiel aus op. 100 von Gustav Merkel (1827-1885) auf der Orgel begann. Tiefen Eindruck in der Seele hinterließ der einfühlsam vorgetragene Aufruf „Sehet auf und erhebet eure Häupter, darum, dass sich eure Erlösung naht“ von Johannes Petzold (1912-1985).

Organist Stefan Kothner bereitete dem andächtig lauschenden Publikum ein besonderes Hörvergnügen mit einem Orgeltrio über „O du mein Trost“ von André van Vliet (*1964), welches die Klangvielfalt der kombinierten Pfeifen-Computer-Orgel wiedergab.

Auch bei dem Vortrag der weiteren Chormusikstücke vom Barock über Romantik bis zu zeitgenössischen Kompositionen entfalteten die Sängerinnen und Sänger ihre Klangschönheit und überzeugten durch ein ausgewogenes Stimmenverhältnis. Eine Stimme aus dem Publikum: „Das war professionell und sehr textverständlich.“

Zum Ende des Programms breiteten sich sanfte Töne in der Kirche aus. Mit dem Stück „Ich steh an deiner Krippen hier“ wurde es ganz still und feierlich in der Erinnerung an die Geburt Jesu. Den Schlusspunkt setzte der Werkstattchor mit einem Werk von Johann Rosenmüller (1619-1684) „Die Gnade unsers Herren Jesu Christi“. Ein schönerer und eindrucksvollerer Abschluss als dieser Segenswunsch ist kaum vorstellbar.

Dirigent, Sängerinnen und Sänger wie auch der Orgelspieler verstanden es, mit großem Engagement und großer Musikalität, dem trüben Wintertag ein besonderes Strahlen aufzusetzen. Die Zuhörer dankten dies mit überschwänglichem Applaus.

Text: sis; Fotos: H. S., F. D.